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Supermarket

August - September 2026

Kim Käsermann
Ramon Iten
Elsa Naude
Sacha Rappo
Benjamin Richli
Dafne Cardinale Sanchez
Sylwia Zawiślak
Cedric Zellweger

Dinge haben keinen Wert. Wert wird produziert.


SUPERMARKET war Teil der Kunsttage Basel 2026 und reagierte auf das diesjährige Thema Culinary Infrastructures.

Das Projekt nimmt den Supermarkt als Ausgangspunkt – nicht als Ort, an dem Lebensmittel einfach gekauft und verkauft werden, sondern als komplexes System, in dem Wert produziert und verteilt wird.

Bevor ein Gegenstand das Regal eines Supermarkts erreicht, wurde er bereits produziert, verpackt, transportiert, bepreist, platziert und beleuchtet. Was als individuelle Entscheidung erscheint, wird durch Infrastruktur geprägt. Begehren wird als spontan inszeniert, während Aufmerksamkeit gezielt gelenkt wird.

SUPERMARKET überträgt diese Mechanismen in den Ausstellungsraum.

Die Ausstellung bringt acht Künstler:innen zusammen, deren Arbeiten unterschiedliche Formen des Konsums und die sie umgebenden Systeme untersuchen: Zirkulation, Fürsorge, Arbeit, Häuslichkeit, Streben, Abfall, Technologie, Erinnerung und Aufmerksamkeit.

Anstatt einen Supermarkt nachzubauen, nutzt die Ausstellung dessen Logik als Struktur. Objekte zirkulieren. Materialien verändern ihre Funktion. Vertraute Formen werden fremd. Alltagsgegenstände werden zu Skulpturen. Verpackungen werden zu Bildern. Nahrung wird zu Erinnerung. Der Körper wird zur Ware. Aufmerksamkeit wird zur Ressource.


Die Ausstellung beginnt bei der Infrastruktur.

Sacha Rappos Steinskulpturen in Form von Spülbecken besetzen den Raum wie ein dysfunktionales Leitungssystem. Auf Rollen montiert, mit Abflusslöchern versehen und durch einen einzigen Stecker verbunden, bilden sie ein Netzwerk, in dem Ressourcen nicht gleichmässig verteilt werden können. Rückhaltung und Abfluss werden zu skulpturalen Gesten und machen die Systeme sichtbar, die unseren Alltag organisieren.

Daneben widersetzt sich Elsa Naudés Fleeting einem weiteren grundlegenden Prinzip des Supermarkts: der Zirkulation. Ein Linoleumteller, der ursprünglich als Edition vervielfältigt werden sollte, bleibt ein singuläres Objekt. Was für Reproduktion und Verteilung bestimmt war, bleibt stehen. Die Arbeit verbindet Fragen von Zärtlichkeit, Wahlfamilie, Queerness und Elternschaft mit Formen von Wert, die ausserhalb von Besitz, Produktivität und messbarem Austausch existieren.

Ramon Itens Skulptur macht Aufmerksamkeit selbst zum Mechanismus der Vereinnahmung. Sie erinnert an einen Galerie-Sockel, der unter einem Stock eingeklemmt und wie eine primitive Jagdvorrichtung aufgehängt ist. Das Objekt verwandelt den Sockel in einen Köder. Das vertraute Symbol künstlerischen Werts wird zu einem Instrument, das fragt, wer schaut, wer beobachtet wird und welche Formen von Anerkennung ausgetauscht werden.

Kim Käsermanns Gemälde und Digitalprints führen die Bildsprache des Konsums ein. Pfannkuchen, Muscheln, Getränke und Stillleben erinnern an Speisekarten, Kochbücher, Werbung und soziale Medien – Räume, in denen Essen sowohl körperlich als auch visuell konsumiert wird. Gleichzeitig halten die Gemälde die Arbeit der Bildproduktion sichtbar. Hinter dem polierten Bild bleibt der Akt des Herstellens präsent.

Sylwia Zawiślaks One Spoon More unterbricht diesen visuellen Appetit. Ein vertrauter Haushaltsgegenstand wird unbrauchbar. Zwischen Bildern von Essen platziert, verschiebt die Skulptur die Erfahrung von Begehren hin zu Unbehagen und bringt den Körper und seine Grenzen in die Auseinandersetzung ein.

Dafne Cardinale Sánchez entfernt sich vom Spektakel des Konsums. Ihre analogen Fotografien konzentrieren sich auf Spuren statt auf Produkte: leere Räume, abgenutzte Oberflächen, Gesten und Fragmente des Alltags. Innerhalb der Ausstellung verschiebt sich Nahrung von der Ware zur Erinnerung, während Konsum mit Intimität und menschlicher Präsenz verbunden wird.

Zawiślaks skulpturale Interventionen verkomplizieren die Beziehung zwischen dem Privaten und dem Ökonomischen. Ein Einkaufskorb enthält durchscheinende, aus Ton gegossene Fragmente des menschlichen Körpers und verwandelt den Körper selbst in etwas, das gesammelt, getragen und gekauft werden kann. Daneben wird ein horizontal an der Wand montiertes Kaffeeservice zu einer irritierenden Begegnung: Finger ragen aus dem Porzellan und zeigen direkt auf die Betrachter:innen.

Ihre schwarz-weissen Linolschnitte führen eine weitere Sprache der zeitgenössischen Konsumkultur ein: Coaching, Manifestation, Wohlstand und permanente Selbstoptimierung. Ihre Bildsprache zeigt, wie Optimismus, Glück und persönliche Veränderung selbst zu Produkten werden können – verpackt, vermarktet und immer wieder konsumiert.

Am Ende der Ausstellung verschiebt Cedric Zellweger den Fokus von physischen Gütern auf Aufmerksamkeit. Eine überdimensionierte fotografische Arbeit wird von einem Videospiel begleitet, in dem Elon Musk und Mark Zuckerberg in einem surrealen Kampf aufeinandertreffen. Technologie, Celebrity-Kultur, Memes und Kapitalismus verdichten sich zu einem überzeichneten visuellen Ökosystem. Konsum betrifft hier keine Produkte mehr. Er betrifft Aufmerksamkeit.

Benjamin Richlis bemalte Verpackungen bewegen sich als verbindendes Element durch die Ausstellung. Weggeworfene Kartons werden zu Trägern von Erinnerung statt zu Abfall. Fantastische Tiere bevölkern ihre synthetischen Oberflächen wie ökologische Geister und eignen sich Materialien wieder an, die für die unmittelbare Entsorgung bestimmt waren. Ihre Bewegung durch die Ausstellung verbindet unterschiedliche Arbeiten, Materialien und Gespräche.


SUPERMARKET ist nicht nur eine Ausstellung, sondern auch ein Produktionsprojekt: ein Rahmen, in dem unterschiedliche künstlerische Praktiken zusammenkommen und Beziehungen zwischen Arbeiten entstehen können, die sonst voneinander getrennt blieben.

Die Rolle von CARARE besteht darin, die Bedingungen zu schaffen, unter denen diese Praktiken aufeinandertreffen können – durch Produktion, Zusammenarbeit, Präsentation und die Entwicklung eines gemeinsamen Kontexts.

Der Supermarkt wird damit weniger zum Thema als zu einer Methode.

Er bietet eine vertraute Struktur, um die Systeme zu untersuchen, die unser gegenwärtiges Leben prägen: wie Wert produziert wird, wie Aufmerksamkeit gelenkt wird, wie Begehren organisiert wird, wie Ressourcen zirkulieren und was hinter dem fertigen Objekt unsichtbar bleibt.

SUPERMARKET versucht nicht, den Supermarkt nachzubilden.

Die Ausstellung fragt, was geschieht, wenn seine Logik in den Ausstellungsraum eintritt – und wenn die Ausstellung selbst zu einem Ort wird, an dem Wert, Aufmerksamkeit und Begehren produziert werden.

Things do not have value. Value is produced.


SUPERMARKET was part of Kunsttage Basel 2026, responding to this year’s theme Culinary Infrastructures.

The project takes the supermarket as a starting point — not as a place where food is simply bought and sold, but as a complex system through which value is produced and distributed.

Before an object reaches a supermarket shelf, it has already been produced, packaged, transported, priced, positioned, and illuminated. What appears to be individual choice is shaped by infrastructure. Desire is made to feel spontaneous, while attention is carefully directed.

SUPERMARKET brings these mechanisms into the exhibition space.

The exhibition brings together eight artists whose works examine different forms of consumption and the systems surrounding them: circulation, care, labour, domesticity, aspiration, waste, technology, memory, and attention.

Rather than recreating a supermarket, the exhibition uses its logic as a structure. Objects circulate. Materials change function. Familiar forms become unfamiliar. Domestic objects become sculptural. Packaging becomes an image. Food becomes memory. The body becomes a commodity. Attention becomes a resource.


The exhibition begins with infrastructure.

Sacha Rappo’s stone sinks occupy the space like a dysfunctional plumbing system. Mounted on wheels, pierced by drainage holes, and connected by a single plug, they form a network in which resources cannot be distributed equally. Retention and leakage become sculptural gestures, making visible the systems that organise everyday life.

Beside them, Elsa Naudé’s Fleeting resists another fundamental principle of the supermarket: circulation. A linoleum plate originally intended to become an edition remains a singular object. What was designed to be reproduced and distributed stays still. The work connects questions of tenderness, chosen family, queerness, and parenthood with forms of value that exist outside ownership, productivity, and measurable exchange.

Ramon Iten’s sculpture turns attention itself into a mechanism of capture. Resembling a gallery plinth trapped beneath a stick and suspended like a primitive hunting device, the object transforms the pedestal into bait. The familiar symbol of artistic value becomes an instrument that asks who is looking, who is being watched, and what forms of recognition are being exchanged.

Kim Käsermann’s paintings and digital prints introduce the visual language of consumption. Pancakes, mussels, drinks, and still lifes recall restaurant menus, cookbooks, advertising, and social media — spaces where food is consumed both physically and visually. Yet the paintings also keep the labour of image-making visible. Behind the polished image remains the act of production.

Sylwia Zawiślak’s One Spoon More interrupts this visual appetite. A familiar domestic object becomes unusable. Positioned among images of food, the sculpture shifts the experience from desire towards discomfort and brings the body and its limits into the conversation.

Dafne Cardinale Sánchez moves away from the spectacle of consumption. Her analogue photographs focus on traces rather than products: empty spaces, worn surfaces, gestures, and fragments of everyday life. Within the exhibition, food shifts from commodity towards memory, while consumption becomes connected to intimacy and human presence.

Zawiślak’s sculptural interventions further complicate the relationship between the domestic and the economic. A shopping basket contains translucent clay fragments of the human body, transforming the body itself into something collected, carried, and purchased. Nearby, a horizontally mounted coffee set turns an object associated with hospitality into an unsettling encounter as fingers emerge from the porcelain and point towards the viewer.

Her black-and-white linocuts introduce another language of contemporary consumer culture: coaching, manifestation, prosperity, and permanent self-improvement. Their vocabulary exposes how optimism, happiness, and personal transformation can themselves become products — packaged, marketed, and repeatedly consumed.

At the far end of the exhibition, Cedric Zellweger shifts the focus from physical goods to attention. An oversized photographic work accompanies a video game in which Elon Musk and Mark Zuckerberg meet in a surreal battle. Technology, celebrity culture, memes, and capitalism collapse into an exaggerated visual ecosystem. Consumption here no longer concerns products. It concerns attention.

Benjamin Richli’s painted packaging moves through the exhibition as a connective element. Discarded boxes become carriers of memory rather than waste. Imagined animals inhabit their synthetic surfaces like ecological ghosts, reclaiming materials designed for immediate disposal. Their movement across the exhibition connects different works, materials, and conversations.


SUPERMARKET is not only an exhibition but a production project: a framework for bringing together different artistic practices and creating relationships between works that might otherwise remain separate.

CARARE’s role is to create the conditions in which these practices can meet — through production, collaboration, presentation, and the development of a shared context.

The supermarket therefore becomes less a subject than a method.

It provides a familiar structure through which to examine the systems shaping contemporary life: how value is produced, how attention is directed, how desire is organised, how resources circulate, and what remains invisible behind the finished object.

SUPERMARKET does not attempt to reproduce the supermarket.

It asks what happens when its logic enters the exhibition space — and when the exhibition itself becomes a place where value, attention, and desire are produced.


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